Sieben Scheiben
Vor ein paar Tagen stand ich im Supermarkt an der Käsetheke neben einem graubärtigen Mann. Der Alte trug einen Pelzmantel und ließ sich die Milchprodukte erklären. Ich erfuhr Details über Erzeugung, Aufzucht und Pflege des gesamten Käsesortiments. Die Verkäuferin kam unter ihrem weißen Häubchen in Fahrt und hielt ausführliche Fachreferate. Graubart und das Häubchen trieben sich gegenseitig zu Höchstleistungen an. Er dachte sich absurde Fragen über Lagerbedingungen, Reifegrade oder Kräuteranteile aus, und sie fand die ungeheuerlichsten Antworten.
Ich stand daneben und staunte so sehr über die Fähigkeit der Menschen, vollständig auf ihrem innersten Planeten zu leben und dennoch miteinander in Kontakt zu treten, dass ich die Inhalte des Dialogs kaum wahrnahm. Mir fiel nur auf, dass der Mann bei ungefähr jeder dritten Käsesorte eine Bestellung über sieben Scheiben aufgab, was sich aus seinem Mund anhörte wie "Siwwe Scheiwe". Ich hörte also einen für mich zusammenhanglosen Käsewortbrei und zwischendurch immer "Siwwe Scheiwe".
Die Zeit verging. Oder vielleicht wurde sie auch angehalten. Ich befand mich unter einer Käseglocke. Die Welt verwandelte sich in einen Camembert, der alles mit seinem Schimmel überzog. Und ich dachte mir, wenn ich noch einmal dieses "Siwwe Scheiwe" höre, verliere ich meinen Verstand und werde wahnsinnig.
Da war es wieder. "Siwwe Scheiwe". Viel zu laut, mit dem Zittern eines Irren in der Stimme, fiel ich dem Häubchen ins Wort und sagte zu dem Mann: "Die Sieben ist wohl Ihre Lieblingszahl?" Die beiden schauten mich mit aufgerissenen Augen an, es wurde vollkommen still. Man hätte einen Käsewürfel fallen hören können. Ich dachte mir, jetzt ist es soweit, jetzt werden Zombiefilme Wirklichkeit. Die Käsethekenzombies.
Dann schien es plötzlich, als fielen die Verkäuferin mit dem weißen Häubchen und der Mann mit dem grauen Bart in sich zusammen. Sie fragte, ob er noch weitere Wünsche hätte, was er verneinte. Die Käseliturgie hatte ein jähes Ende gefunden. Nachdem sie den Kassenzettel an die Papiertüte getackert und den Käse über den Tresen gereicht hatte, wendete sie sich mir mit ausdruckslosem, abgestumpftem Gesicht zu und erkundigte sich nach meiner Bestellung. Hurra. Ich war zurück im Supermarktalltag.
Gestern sah ich den Mann wieder. Er stand neben mir, im selben Supermarkt, vor einem Kühlregal. Mich erfasste ein eisiger Schauer. Dabei konnte ich mich nicht festlegen, ob die Kälte von dem Graubart oder vom Kühlregal ausging. Er nahm mich nicht wahr, während er Joghurtetiketten las. Nur Zombies lesen Joghurtetiketten, dachte ich. Dann nahm er mehrere Joghurtbecher derselben Sorte aus dem Regal und packte sie in seinen Einkaufskorb. Ich zählte mit. Eins. Zwei. Drei. Vier. Fünf. Sechs. Als er sich abwendete, sagte ich, eher zu mir selbst: "Das waren nur sechs." Daraufhin drehte er sich mechanisch um und nahm einen weiteren Joghurt. Essen Zombies Himbeerjoghurt? Er warf mir einen Blick zu, und jetzt war ich mir sicher, dass die Kälte nicht vom Kühlregal ausging.
Ich stand daneben und staunte so sehr über die Fähigkeit der Menschen, vollständig auf ihrem innersten Planeten zu leben und dennoch miteinander in Kontakt zu treten, dass ich die Inhalte des Dialogs kaum wahrnahm. Mir fiel nur auf, dass der Mann bei ungefähr jeder dritten Käsesorte eine Bestellung über sieben Scheiben aufgab, was sich aus seinem Mund anhörte wie "Siwwe Scheiwe". Ich hörte also einen für mich zusammenhanglosen Käsewortbrei und zwischendurch immer "Siwwe Scheiwe".
Die Zeit verging. Oder vielleicht wurde sie auch angehalten. Ich befand mich unter einer Käseglocke. Die Welt verwandelte sich in einen Camembert, der alles mit seinem Schimmel überzog. Und ich dachte mir, wenn ich noch einmal dieses "Siwwe Scheiwe" höre, verliere ich meinen Verstand und werde wahnsinnig.
Da war es wieder. "Siwwe Scheiwe". Viel zu laut, mit dem Zittern eines Irren in der Stimme, fiel ich dem Häubchen ins Wort und sagte zu dem Mann: "Die Sieben ist wohl Ihre Lieblingszahl?" Die beiden schauten mich mit aufgerissenen Augen an, es wurde vollkommen still. Man hätte einen Käsewürfel fallen hören können. Ich dachte mir, jetzt ist es soweit, jetzt werden Zombiefilme Wirklichkeit. Die Käsethekenzombies.
Dann schien es plötzlich, als fielen die Verkäuferin mit dem weißen Häubchen und der Mann mit dem grauen Bart in sich zusammen. Sie fragte, ob er noch weitere Wünsche hätte, was er verneinte. Die Käseliturgie hatte ein jähes Ende gefunden. Nachdem sie den Kassenzettel an die Papiertüte getackert und den Käse über den Tresen gereicht hatte, wendete sie sich mir mit ausdruckslosem, abgestumpftem Gesicht zu und erkundigte sich nach meiner Bestellung. Hurra. Ich war zurück im Supermarktalltag.
Gestern sah ich den Mann wieder. Er stand neben mir, im selben Supermarkt, vor einem Kühlregal. Mich erfasste ein eisiger Schauer. Dabei konnte ich mich nicht festlegen, ob die Kälte von dem Graubart oder vom Kühlregal ausging. Er nahm mich nicht wahr, während er Joghurtetiketten las. Nur Zombies lesen Joghurtetiketten, dachte ich. Dann nahm er mehrere Joghurtbecher derselben Sorte aus dem Regal und packte sie in seinen Einkaufskorb. Ich zählte mit. Eins. Zwei. Drei. Vier. Fünf. Sechs. Als er sich abwendete, sagte ich, eher zu mir selbst: "Das waren nur sechs." Daraufhin drehte er sich mechanisch um und nahm einen weiteren Joghurt. Essen Zombies Himbeerjoghurt? Er warf mir einen Blick zu, und jetzt war ich mir sicher, dass die Kälte nicht vom Kühlregal ausging.






















