Mittwoch, August 30, 2006

Weltmeister Schwanzmann

Im Finale gingen die fünfzig besten Athleten der Welt an den Start. Während der Vorrunden, die sich über die gesamte Saison erstreckten, waren Tausende Triathleten gegeneinander angetreten. Aber bei der härtesten Disziplin in diesem Sport, der Ultradistanz, schafften es nur Profisportler ins Finale. Bis auf eine Ausnahme.

Der siebenundsiebzigjährige Robold Schwanzmann war der einzige Amateur im Feld der Berufsathleten. Nachdem er im Vorjahr mit seinem, internationales Aufsehen erregenden, vierten Platz das Siegertreppchen knapp verfehlte, hatte er diesmal den Weltmeistertitel im Visier. Er war in Topform, vollkommen austrainiert. Diesen Idealzustand hatte er sich im Verlauf unzähliger Trainingsstunden angeeignet.

Als am Sonntagmorgen um fünf Uhr der Startschuss fiel, schäumte das Wasser. Nach hundert Metern erkämpfte sich Schwanzmann mit seinem Tretboot eine Position in der Führungsgruppe. In den vergangenen Jahren hatte sich dieser Sport zu einer Materialschlacht entwickelt. Schwanzmanns Tretboot war ein Eigenbau nach längst verschollen geglaubtem Reißbrettgekritzel aus dem Dritten Reich. Es zischte wie ein Torpedo durchs Wasser. Als er das Ziel nach fünfhundert Metern erreichte, waren nur sechs andere Athleten vor Schwanzmann aus ihren Tretbooten geklettert.

Obwohl Minigolf seine schwächste Disziplin war, gelang es ihm nach Durchlauf der achtzehn Bahnen, seine Position in der Gesamtwertung um zwei Plätze zu verbessern. Ernsthafte Schwierigkeiten hatten ihm diesmal nur die Gedankenmühle und das Labyrinth der unfassbaren Emotionen bereitet. Aber damit hatte er gerechnet.

Freiluftkegeln war seine beste Triathlon-Disziplin. Er wusste, dass er alles auf eine Kugel setzen musste. Aber seine Entscheidung fiel auf das falsche Sportgerät. Es stellte sich heraus, dass an diesem weltmeisterschaftlich verregneten Wettkampftag die Kugel mit der Oberfläche aus Schmirgelpappe die bessere Wahl gewesen wäre. Schwanzmann hatte die zwar unschlagbar schnelle, aber bei Niederschlag außerordentlich sensibel reagierende Glasmurmel gewählt. Damit war das Rennen entschieden. Schwanzmann konnte sich zwar um einen weiteren Platz verbessern, was aber umso mehr schmerzte, da er schon wieder Vierter war.

Eine Woche später änderte sich alles. Die Welt stand Kopf. Der größte Skandal aller Zeiten im Triathlon. Sämtliche Medien berichteten über die positiven Doping-Kontrollen der drei Erstplazierten. Beim Weltmeister fand man Spuren von Käsekuchen in der Probe. Beim Vizeweltmeister war es Schwarzwälder Kirschtorte, und der Drittplatzierte hatte seine sportliche Leistung mit der unerlaubten Einnahme von Eierlikör manipuliert.

Schwanzmann bekam nachträglich die ersehnte Goldmedaille umgehängt, auf der das Konterfei von Hans Rosenthal eingestanzt war.

13 Comments:

Blogger Lundi said...

Herr Schwanzmann hat früher dem Alkohol gerne zugesprochen und sich auch mit Torten gedopt. Seit seiner Diabetes muss er aber darauf verzichten - da ist die Weltmeisterschaft eine kleine Entschädigung.

30.8.06  
Blogger MudShark said...

schwanzmann for president! der einzig unbestechliche - nieder mit denen die hier versuchen mit schlamm zu werfen!

oleeee olee olee oleeee
wir wollen schwanzmann
oleeeeee

...

31.8.06  
Blogger Oles wirre Welt said...

Besonders schlimm soll Eierlikör mit geriebenen Oliven sein. Aber wer träumt nicht von einer Medaille mit Rosenthalkonterfei?

Schön!

31.8.06  
Blogger Der_grosse_Transzendentale_Steini said...

Schwanzmann muss die Kraft der zwei Herzen haben!

31.8.06  
Blogger Markus Quint said...

/Lundi: Aha, man kennt sich aus in der Szene.

/MudShark: Ein Hoch auf alle, die durch den Schlamm schwimmen und es verstehen, ihr Haigebiss einzusetzen.

/Ole: Schön, dass du Mudsharks Ruf gefolgt und ebenfalls hier vorbeigeschwommen bist.
Eierlikör mit geriebenen Oliven klingt nach hervorragendem Abführmittel.

/DGT Steini: Ja, er ist ein Naturtalent.

31.8.06  
Anonymous stard said...

jaja, schwanzmann ... sie alte googlehure :D

31.8.06  
Blogger Tillmister said...

Ich bin der Meinung, das war spitze!

31.8.06  
Anonymous Chris said...

warum heißt der Schwanzmann eigentlich so? Nach dem Motto: mit diesem Namen muss man aus kompensatorischen Gründen entweder erfolgreicher Sportler, Musiker oder Nobelpreisträger werden?

31.8.06  
Blogger Markus Quint said...

/Stard: Gewiss, Google ist die lässigste Puffmutter unserer Tage, aber Robold Schwanzmann hat sie nicht auf den Strich geschickt. (Wobei die erste Tätowierung der Puffmutter zum Thema Schwanzmann relativ knorke ist.)

/Tillmister: Und jetzt kommt Dalli KLICK !

/Chris: ... eher nach dem Motto: mit diesem Namen einer erdachten Figur bleibt man unter Garantie unauffälliger Weblogistiker. Vielleicht spazierten aber auch gerade Arno Schmidts Schwänze über meine Hirnrinde.

31.8.06  
Blogger Oles wirre Welt said...

Ich schwimme hier immer wieder gern vorbei. Auch ganz ohne Ruf. Ganz aus freiwilligem Interesse. :)

1.9.06  
Anonymous lustgreis said...

Eigentlich dient der Schwanz dem Säugetier zum Fliegen verscheuchen, dem Fisch als Antrieb und dem Vogel als Steuer.

Schämt euch, alle miteinander. Bis auf Ole, der schwimmt ja OHNE vorbei.

1.9.06  
Blogger Markus Quint said...

Manchen Frisurträgerinnen dient der Schwanz sogar als Pferd, trotzdem kein Grund, nach Schamhaaren in der Suppe zu suchen.

1.9.06  
Blogger Oles wirre Welt said...

@Opa: Meinen Schwanz lege ich beim Schwimmen nicht ab. Der ist und bleibt angewachsen. (Mancher würde jetzt den inzwischen urmellahmen Wowereitschwank anhängen: "Und das ist auch gut so.")

2.9.06  

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