Freitag, September 08, 2006

Feldversuch Museumsmüdigkeit

Schon wenn ich das Wort Museum höre, überfällt mich die Müdigkeit wie ein opiatkranker Tagedieb. Sobald ich ein entsprechendes Gebäude mit ernsten Absichten betrete, reduziert mein Körper die lebenserhaltenden Prozesse auf das Winterschlafniveau einer Feldmaus. Ich sehe dann aus wie Todes Bruder, und die Leute in meiner Nähe fangen an zu gähnen. Noch mehr als sonst.

Als Sammler von Museen sehe ich mich veranlasst, Therapieformen gegen das in der Wissenschaft noch kaum untersuchte Syndrom der Museumsmüdigkeit zu entwickeln. Bitte befolgen Sie keinen der Vorschläge, die Testreihe ist noch nicht abgeschlossen:

1. Sich ab Betreten des Museums ausschließlich rückwärts bewegen.

2. Aus Pornofilmen extrahierte Tonspuren mittels eines transportablen Audio-Geräts abspielen. Wenn man sich darauf versteht, kann man die Laute mitsummen.

3. Jedem zehnten Besucher, dem man während des Rundgangs begegnet, eine Geschmacksfrage zu einem der Gegenstände stellen.

4. Selbstklebende Etiketten mitbringen und die Vitrinen der Ausstellungsgegenstände mit zusätzlichen Erläuterungen versehen.

5. Mit den Aufsichtskräften über parapsychologische Begebenheiten in Museen plaudern.

6. Ein Mobiltelefon auf dem Kopf balancieren und abwarten, ob man angerufen wird. Der Klingelton imitiert eine Schafherde.

7. Die Räume rennend durchqueren. Sobald man außer Puste ist, zu dem Ausstellungsgegenstand zurückkehren, der während der flüchtigen Wahrnehmung am nachhaltigsten beeindruckt hat. (Achtung: schwer kombinierbar mit den Punkten 1. und 6.)

8. Sich von einer Begleitung die Augen verbinden und alles erklären lassen.

9. Oder umgekehrt.

10. Sich zu einem favorisierten Gegenstand eine Geschichte ausdenken, in der das Wort Museum nicht vorkommt. (Gut kombinierbar mit Punkt 7.)

Falls Sie entgegen meinem ausdrücklichen Rat eine der Methoden ausprobieren, bitte ich um einen Testbericht.

7 Comments:

Anonymous martha said...

"4. Selbstklebende Etiketten mitbringen und die Vitrinen der Ausstellungsgegenstände mit zusätzlichen Erläuterungen versehen."
Das ist ganz toll. Mach ich übrigens ständig. Nicht nur in Museen. Auch an Bushaltestellen (hat doofe Jacke an, Hund pinkelt an die Mülltonne), im Supermarkt (Tomaten sind Genmanipuliert, Nachbar läßt Flasche Korn mitgehen) oder aber auch vor dem örtlichen Puff (Ali hat Schwester auf Arbeit besucht, Manni hat den Pilz von Uschi, Uschi von Bernd und Bernd von Klaus/von Jaqueline/von Sabrina).

8.9.06  
Anonymous Opa said...

Ich besichtige grundsätzlich nur Kriminalmuseen, Folterkammern und Brauereien.

9.9.06  
Blogger Lundi said...

Sehr gute Tipps ! Gut wirkt auch statt der Exponate die Museumsbesucher anzuschauen. Besonders interessant ist das bei Kunstausstellungen.

9.9.06  
Blogger Markus Quint said...

/Martha: Das erklärt, warum Bonn den Ruf eines vorzüglichen Freiuftmuseums besitzt.

/Opa: D´accord. Feldversuche in diesen Fellen überflüssig.

/Lundi: ... und dann vor allem bei Vernissagen.

9.9.06  
Blogger mkh said...

Es sollte dringend einmal ein Museen mit Mobiltelefonen, deren Klingeltöne eine Schafherde imitieren, eingerichtet werden!

9.9.06  
Anonymous simplex said...

11. Besteckteile aus der Jugendherberge mitnehmen und als Ausstellungsstücke in die Vitrinen schmuggeln. Damals ging das im Deutschen Museum noch.

9.9.06  
Blogger Markus Quint said...

/MKH: ... oder eine Schafherde, die im Freilichtmuseum Mobiltelefone imitiert.

/Simplex: Köstliches Schelmenstück!

10.9.06  

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