Samstag, September 16, 2006

Ein Porsche in Tarnfarben (XVI)

Von Breuer war ein Hüne wie aus dem Bilderbuch des deutschen Rassenwahns. Die Uniform ließ ihn noch größer wirken. Er blieb für einen, etwas zu langen, Moment im Türrahmen stehen und überblickte das Lokal aus seinen grauen Augen. Neben der Uniform zogen zwei deutlich sichtbare Narben auf seiner Wange, vermutlich Schmisse vom Fechtboden, die versteckten Blicke der wenigen Gäste auf sich. Seine Haarfarbe bestand in einer eigentümlichen Mischung aus kalter Asche und dem weichen Licht einer Kerze.

Der deutsche Offizier lächelte, zog kurz die Augenbrauen hoch und durchquerte den Raum selbstbewusst, in großen Schritten, vorbei an dem platzanweisenden Kellner, der hilflos in Henk Noorlanders Richtung schaute. Der Chef gab seinem Kellner mit einer leichten Drehung des Kopfes aus dem Halbschatten am Ende der Bar zu verstehen, dass dieser Gast mehr Freiheiten besaß als die anderen. Von Breuer setzte sich an einen Tisch für zwei Personen im hintersten Winkel. Seine Uniformmütze legte er so vor sich, dass das spiegelverkehrte Symbol des Sonnenrades, Shivas Fußabdruck, in Richtung der anderen Gäste zeigte. Das pervertierte Erkennungszeichen des Gottes der Zerstörung und Erneuerung schien im rötlichen Licht zu glühen.

In den kommenden Monaten würde von Breuer noch häufig an diesem Tisch sitzen. Jedes Mal bestellte er eine Flasche jungen Genever, die er vollständig leerte. Die Wirkung des Alkohols, die für andere zerschmetternd gewesen wäre, merkte man ihm nicht an, und Henk bemerkte diese Schwäche sofort.
(Fortsetzung folgt)

3 Comments:

Anonymous mütterkreuz said...

aber ist es nicht eher eine stärke?

16.9.06  
Blogger Markus Quint said...

Warten wir es ab.

17.9.06  
Blogger Falcon said...

Sehr erfreulich, dass so schnell ein neuer Porsche herangefahren kam.
Gespannt auf den nächsten Teil - wie immer -
Falcon

18.9.06  

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