Dienstag, Juli 18, 2006

Web 4.0

Seit 2004 feiert das WWW seinen zweiten Versionsgeburtstag als kommunikative Revolution. Web 2.0. Gähn.

Das Medium befindet sich in der aktuellen Version hinsichtlich theoretischer Möglichkeiten im digitalen Umfeld auf einer prähistorischen Entwicklungsstufe und wird den Menschen der nahen Zukunft dunkel an Zeiten erinnern, in denen die ersten schriftlichen Dokumente seiner Gattung mit Hilfe von Hammer, Meißel und Steinplatten entstanden sind.

Die mühsame Dokumentation, Strukturierung und Publikation von Gedankengängen einschließlich der Feedback-Prozesse via Tastatur bremst eine authentische Ad-hoc-Verbreitung geistiger Erzeugnisse. Aber vielleicht wird sich bereits die übernächste Stufe der Vernetzung, Web 4.0, dadurch auszeichnen, dass man seine Gedanken mittels mobiler Erfassung der elektrischen Impulse im Gehirn kabellos aufzeichnen und austauschen kann. Dies sollte in unterschiedlichen Modi möglich sein: als Text-, Bild-, Ton-, oder Filmdatei. Zusätzlich wird der gesamte Bereich der Telefonie in die Gehirnschnittstelle integriert. Eine Voraussetzung für die erfolgreiche Vermarktung der Schnittstellengeräte wären Filter zur Trennung zwischen privaten Gedanken und den in das Netz einzuspeisenden Daten.

Ab Web 5.0 gibt es dann vermutlich auch Möglichkeiten zur Erstellung von Geruchs-, und Geschmacksdateien. Web 6.0 könnte Gefühlsdateien generieren, die entsprechende Rezeptoren in der Haut stimulieren und direkte körperliche Berührungen mit beliebigen Gegenständen oder anderen Personen überflüssig machen.

Durch Information Overload bedingte Todesfälle werden an der Tagesordnung sein und vermutlich entstehen neue Zivilisationskrankheiten, die - früheren Computerviren ähnlich - über die Netze und Gehirnschnittstellen körperlich übertragbar sind.

In einer Hinsicht werden sich die kommenden Webgenerationen allerdings nicht von den früheren unterscheiden. Die Technologie der Suchmechanismen wird der steigenden Informationsmenge immer einen Schritt hinterher hinken und das Auffinden interessanter Knotenpunkte im Netz bleibt weiterhin zu einem großen Teil Faktoren wie Zufall und Intuition überlassen.

11 Comments:

Anonymous martha said...

Ich hab mich vor kurzem komplett verdrahtet und verkabelt. Kann mich leider nicht mehr von hier wegbewegen und warte nur aufs Web 6.0 um wieder Kontakt zu humanuiden Wesen zu haben. Von mir aus auch sprechende Affen. Bis dann also.

18.7.06  
Blogger Der_grosse_Transzendentale_Steini said...

Ich weiß nicht. Einerseits erinnere ich mich noch ganz gerne an die de.rec Newsgroup-Zeiten, wo Bandbreite noch eine ganz großes Thema war und jeder, der ein bißchen zuviel gequoted hat, eine fette Mailbombe verpasst bekam.
Das war die Quintessenz, danach ist erstmal nur noch überflüssiger Müll dazukommen.

Andererseits ist der Gedanke, Marthas voll verkabelter, sprechender Affe zu sein, recht reizvoll. Mal abwarten, was noch so passiert. Strange days...

19.7.06  
Anonymous eon said...

@steini:
Jede verdammte Kaugummisorte ist ja noch nicht erfunden worden. Da kommt also noch einiges.


Ich lese übrigens gerade ein spannendes Buch zur Thematik: Mensch-Maschinen, von Rodney Brooks. Einer der wissen muss, wo es lang geht, weil er genau solche Systeme entwickelt.

19.7.06  
Blogger Markus Quint said...

@Martha: Es besteht Anlass zur Hoffnung. In der Zukunft wird alles wireless. Auch Hunde- oder Affenhalsbänder.
@Steini: Ich war auch stets ein großer Freund des Usenet, aber zwischen dem ganzen hinzu gekommenen Müll befindet sich der eine oder andere Diamant ...
@Eon: Weniger aus wissenschaftlicher als aus visionärer Sicht ist es auch immer wieder aufregend, die Texte von William Gibson zu lesen.

19.7.06  
Anonymous stard said...

es wird aber auch mit web 6.0 eine gruppe von user geben die sich die gute alte tastatur zurückwünscht. und jeden auslolt der noch nie auf einer geschrieben hat ...

19.7.06  
Blogger Markus Quint said...

... so wie es heute noch User gibt, die ihre Texte auf mechanischen Schreibmaschinen tippen. Oder auf dem C64. Liebenswerte Formen der Nostalgie.

19.7.06  
Anonymous eon said...

Ich bin ganz klar FÜR Web6.0! Die Maschinenstürmer/Tastaturnutzer landen ganz klar auf dem Abstellgleis der Evolution.

Für den Fall dass man mal mitreden muss, bzw. jemanden programmieren muss der einem die Schnürsenkel zumacht, kann man jetzt kostenlos bei MSoft das Robotics Studio herunterladen. Der nächste Schritt ist also schon wieder getan (neuer Standard und so)...

Gibson ist notiert, vielen Dank.

19.7.06  
Anonymous Nomak said...

Ich oute mich als Nostalgiker: Ich mag den aktuellen Stand...:-/

19.7.06  
Blogger lester said...

man koennte auch sagen: der mensch befindet sich in der aktuellen version hinsichtlich theoretischer moeglichkeiten auf einer praehistorischen entwicklungsstufe.

20.7.06  
Blogger Markus Quint said...

Nichts ist gut wie es war oder ist, aber es wird auch nichts besser. Und alles wird ewig auf der prähistorischen Entwicklungsstufe, ungeachtet jeden Fortschritts, verharren.

20.7.06  
Blogger lester said...

buh! defaetistengequassel!
seinse doch mal optimistisch, hier.
was neues erfinden zettbeh.
rasierer mit radio oder sowas.
das bringt uns echt weit nach vorne, verglichen mit den anderen planeten unseres sonnensystems.

22.7.06  

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