Dienstag, August 31, 2010

Sehr geehrte Reklameverteilermafia,

Altpapier sammeln ist im Sinne des nachhaltigen Umgangs mit Ressourcen eine folgerichtige Tätigkeit. Nur sollte vor der Entsorgung und Wiederaufbereitung von Drucksachen eine Nutzung erfolgen, die mindestens in der oberflächlichen Wahrnehmung der Inhalte besteht.

Über einen entsprechenden Hinweis, Signalfarbe Rot, an meinem Briefkasten bringe ich deutlich zum Ausdruck, dass ich keine Zustellung von Werbeprospekten oder Wurfsendungen wünsche und diesen Erzeugnissen - Sie ahnen es bereits - auch keine inhaltliche Aufmerksamkeit widme. Reklame, die bestenfalls Aggressionen gegenüber dem Absender erzeugt, verkehrt ihren Zweck ins Gegenteil und bedeutet eine Fehlinvestition für Ihre Auftraggeber, liebe Reklameverteilermafia.

Zufällig kam ich vorgestern hinzu, als einer Ihrer Mitarbeiter stapelweise Prospekte in meinen Briefkasten stopfte. Da ich über einen Grundrespekt für nahezu jede Art von Arbeit verfüge, wies ich ihn freundlich auf das Schild, Signalfarbe Rot, an meinem Briefkasten hin und bat um Abbruch der Zustellung. Er blickte mich verständnislos an. Der Mann kam aus einem fernen Morgenland und erweckte nicht den Eindruck, als wäre sein Salär ausreichend, um sich wenigstens alle zwei Tage einen halben Teller Reis oder einmal im Leben ein neues Paar Turnschuhe zu leisten. Es stellte sich heraus, dass der Mann kein Deutsch sowie Englisch nur rudimentär verstand, aber seine Bemühungen um eine Verständigung mittels theatralischer Gestik waren rührend.

Vermutlich werden Sie diese unerwünschte Beschwerde nicht lesen, bevor ich sie in dreihundertfacher Kopie in Ihrem Briefkasten deponiere, aber wenn Sie Ihre ausgebeuteten Mitarbeiter schon dem Missmut der Empfänger von unerwünschter Werbung ausliefern, könnten Sie zumindest einen Sprachkurs spendieren! Das wäre sogar Teil Ihrer Fürsorgepflicht, denn ich kann Ihnen versichern, dass in meiner Nachbarschaft nicht jeder so freundlich ist wie ich.

Mit reklamierenden Grüßen,
mq

6 Comments:

Anonymous Andie Kanne said...

Alle klar! Nach Feierabend müssen Zusteller wie dieser vom Typus Fernes Morgenland, oder wahlweise jene vom Typus Tiefer Süden, für die Reklamebüros sinnige Emails aufsetzen und pro Woche ca. 2.8 Mio die Resend Taste drücken mit frei erfundenen Email Adressen. Jedes 10.te mal jedoch grundsätzlich mit MEINER Adresse.

Textauszug:

----
Zuerst muß ich um Ihre Zuversicht in dieser verhandlung bitten. Das ist auf Grund seiner lage, als das sein total VERTRAULICH und
Geheimnisvoll.

Aber ich weiss, dass eine verhandlung dieses Ausmaßes irgendeinen Ängstlich und besorgt machen wird,aber ich versichre Ihnen, dass alles am
Ende des tages in ordnung sein wird.
Wir haben uns entschieden Sie durch eine E-mail sendung,wegen der
Dringlichkeit diese verhandlung zu erreichen, als wir davon zuverlassig von seiner schnelligkeit und vertraulichkeit Überzeugt worden sind.


Ich möchte mich nun vorstellen. Ich bin Herr Joseph Mbekulu
(Rechnungprüfer bei der Chartered Bank von Süd Afrika).

Ich kam zu ihrem kontakt in meiner persönlichen suche nach einer
zuverlassigen und anstandige person, um eine sehr vertrauliche
verhandlung zu erledigen, die Übertragung von einem fremden Konto das
maximale
zuversicht erfordert.

Der vorschlag:Ein Ausländische,verstorbener Ingenieur Jurgen Rosenthal,
ein Diamante-Handler/unternehmer mit der Republik Süd Afrika.
---
etc.pp.

Für den Geniesser: Mit abertausenden Hits ist der vollständige Text des Herrn Jurgen Rosenthal in Google zu finden.

31.8.10  
Anonymous stilhäschen said...

Unlängst war ich in der gleichen Situation, allerdings war mein Gegenüber, ein Pizzazettelverteiler, der verständlichen Antwort mächtig.
Ich: "Grüß Gott. Sehen Sie dieses Schild hier? 'Bitte keine Werbung einwerfen'."
Er: "Ja, sehe ich. Aber wenn ich das nicht einwerfe, wie sollen Sie dann wissen, daß es uns gibt?"

Werbezettel als Selbstmanifestation. Man könnte darüber promovieren.

1.9.10  
Anonymous duftbäumchen said...

Mist. Ich verpasse die immer, weil mein Chef dummerweise der Meinung ist, dass ich mich während der Arbeitszeit auch am Arbeitsplatz bzw. in unmittelbarer Nähe aufhalten sollte.

Und deswegen zwei Wochen Urlaub nehmen und mich an den Briefkasten setzen will ich nun deswegen auch nicht.

2.9.10  
Anonymous kraM said...

selbstschussanlagen sind die einzig praktikable lösung, herr mq. sie sind nur moralisch etwas zweifelhaft. aber sie könnten sie auch vor der haustür der firma anbringen.

2.9.10  
Blogger mq said...

/Andie Kanne: Die jeweils anderen neun vertraulichen und geheimnisvollen Informationen gehen vermutlich an meine Adresse.

/stilhäschen: Früher sind die Philosophen wenigstens Taxi gefahren.

/duftbäumchen: Ihre Reklameverteilermafia scheint sich immerhin an gängige Arbeitszeiten zu handeln.

/kraM: Ich installiere lieber eine Selbstschmunzelanlage.

4.9.10  
Blogger ZB said...

Tipp: Einfach einen Aufkleber auf den Briefkasten kleben -

"Werbung bitte nur per E-Mail"

Zap

6.9.10  

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