Dienstag, Oktober 27, 2009

Mitte nächster Woche

Wenn man mit einem Schlauchboot von der Küche ins Wohnzimmer paddelt und sich darüber freut, dass man das Telefon nach der letzten Benutzung auf dem obersten Regalbrett abgelegt hat, sogleich die Nummer eines Handwerksbetriebs wählt, ausnahmsweise nicht sofort mit einer automatischen Bandansage, sondern mit einem echten (!) Menschen (!) verbunden wird und zaghaft jedes Wort in die Waagschale legt, um sich das Wohlwollen der Person am anderen Ende der Leitung nicht leichtsinnig zu verscherzen und sofort nach DDR-Grenzermanier abgeledert zu werden, erhält man auf die vorsichtige, grundsätzlich indirekt zu stellende Frage, wann man eventuell oder auch gegebenenfalls mit dem Besuch eines Handwerkers rechnen könne, folgende Antwort: "Mitte nächster Woche."

Diese Auskunft muss nach irgendeiner Industrienorm standardisiert sein, denn Handwerker scheinen keine andere Zeitangabe zu kennen. Kategorien wie heute oder morgen kommen im Sprachgebrauch eines Handwerkers nicht vor, gehören vermutlich nicht einmal zum Wortfundus. Allerdings wird der unverbindlich angebotene Termin "Mitte nächster Woche" in vielen Fällen durch Voranstellung der näheren Bezeichnung "frühestens" präzisiert.

Ohne sich Illusionen oder romantischen Träumereien von reparierten Wasserrohren hinzugeben, paddelt man zurück in die Küche und angelt sich ein paar Biere vom Grund des Sees. Falls der Fang ergiebig ist und wenigstens der beim Anblick des vielen Wassers entstandene Durst gestillt werden kann, startet man gefährliche Tauchgänge nach einer Rohrzange und weiteren Ausrüstungsgegenständen. Und während man komplexe Klempnerkniffeleien löst, rätselt man nebenbei, warum sich sogar die Weltwirtschaftskrise von den robusten Gepflogenheiten des deutschen Handwerks einschüchtern lässt.

16 Comments:

Blogger frech'n'nett said...

"Handwerk hat goldenen Boden" lautet die uralte Präambel der Zünfte und Handwerksinnungen, die jedem Stift am ersten Tag seiner Handwerkerlehre als 1. und wichtigste Regel auf die Stirn gebrannt wird.
In Zeiten der Wirtschaftskrise gewinnt Gold an Attraktivität als stabile Anlage und vielleicht lässt sich so auch die Saumseligkeit der Handwerksbetriebe begründen.

27.10.09  
Blogger Frau H. said...

Sie haben mein aufrichtiges, absolut und in Gänze mitgefühltes Beileid! Allein der Gedanke an Wasser in der Küche löst mittlerweile bei mir schon eine phobische Attake aus. Ich hoffe Sie besitzen einen Engländer? Ein Engländer (ich glaube im südlichen eher Franzose genannt, wie man das im Fachjargon schimpft, weiß ich leider nicht...) ist ein in Rohrangelegenheiten unglaublich hilfreiches Werkzeug... (über dessen Namensgebung ich schon des öfteren sinnierte). Der beste Handwerkerspruch, den ich auf meine Frage, ob ich die Hängeschränke denn nicht besser von der nassen Wand abhängen solle, hörte, war: Ach was, das Wasser läuft ja immer nach unten... Zum Glück habe ich nicht darauf vertraut, sonst hätte ich jetzt wahrscheinlich ein massives Schimmelproblem. Ich sach Ihnen: Alles Pfuscher! Besser man machts selber, wenns denn machbar ist... Prost!

27.10.09  
Anonymous ttr said...

Beim Selbermachen aber unbedingt eine schriftliche bauliche Genehmigung(tm) des Vermieters holen, sonst darf man für jede möglichen Reparaturarbeiten aufkommen und sich auf recht interessante Argumentationsketten freuen: das Waschbecken ist undicht, weil man vor Jahren selber die Fliesen auf dem Boden verlegt hat.

Ansonsten empfehle ich Gin Tonic als das neue Bier und proste ebenfalls zu. Hoffentlich kostet Ihnen diese Woche nicht zu viele Nervenzellen.

27.10.09  
Blogger mkh said...

Ich denke, du hättest deutlicher darauf hinweisen sollen, dass du in deiner Wohnung ohnehin eine baldige Generellüberholung der kompletten Leitungsrohre planst, dass außerdem bei den zwei Immobilien, zu denen du durch eine vorzeitige Schenkung deines schwer reichen Großonkels gekommen bist, ebenfalls dringendst mehrere größere Installateureinsätze in den Auftragsjahren 2010, 2011 und 2012 durchgeführt werden müssen, dass vor allem aber auch dein historisches Wasserschloss am Main für das Marketingprojekt "Schlosspark mit tausend Fontänen" noch einiger Springbrunnenanlagen mit vergoldeten Leitungen bedarf. Hast du nicht?

27.10.09  
Blogger Burnster said...

Ich hab die Erfahrung gemacht, dass Handwerker einen nicht nur abledern, sondern auch gerne mal anledern, wenn sie dann endlich mal im Haus sind. Ich darf ja eigentlich nichts sagen, da meine Herkunft auf der Handwerkszunft der Wasserinstallation fußt, aber grad deshalb darf ich ja was sagen.

28.10.09  
Blogger MudShark said...

so ein bisschen wasser hat noch keinem geschadet. das ist eine hervorragende gelegenheit mal wieder einen richtigen großputz zu machen. der war bestimmt überfälling, n'est pas?

p.s. seit montag haben wir eine nigelnagelneue hebeanlage im keller stehen. wasserschöpfen nach jeder waschmaschinenladung ist nur wenig meditativ.

28.10.09  
Blogger DanielSubreal said...

Werden Sie uns im Winter zum Schlittschuhlaufen einladen?

28.10.09  
Blogger 100 Goldfischli said...

Ja, Du musst die Handwerker auch nicht Freitags nach 11h (a.m.) anrufen. Die wollen doch auch ihr Wochenende genießen.

Maßnahmen
Zu allererst: Stöpsel ziehen. Falls keiner vorhanden: Loch bohren, damit das Wasser ablaufen kann.

Eigentlich ist das auch Sache des Vermieters, der hat Rohrbrüche normalerweise gar nicht gern - es sei denn, das Haus steht dringend zur Entmietung an. Falls er nicht gleich von der Notwendigkeit eines Noteinsatzes überzeugt ist: Erläutern, dass sich die Küche nur durch ein in die Außenwand geschlagenes Loch wieder entwässern lässt und man Hammer und Meißel bereits in der Hand hält
"... soooo viel Wasser ist da drin! Es ist furchtbar! ...schluchz..."

Vielleicht dämpft auch die Kenntnis der Stundensätze "ab 45,99€ plus Nachmittagszuschlag zuzügl. Anfahrt und Material" die Sehnsucht des Herrn mq nach einem Installateur? Paddeln ist doch auch ein schöner Sport. Und Tauchen erst!

...

Nein nein, wirklich keine Schadenfreude, und: Mein Beileid!

28.10.09  
Blogger mq said...

/f'n'n': "Handwerk hat eine goldene Nase", muss das korrekt lauten.

/Frau H.: Verbindlichen Dank für die prostspendenden Worte. Einen Engländer besitze ich nicht, auch keinen Franzosen, nichtmal einen klitzekleinen Angehörigen irgendeiner anderen Nationalität. Aber mit seiner Bemerkung hinsichtlich der Schwerkraft hatte Ihr Handwerker einwandfrei recht, da kann man ihm nichts vorwerfen. Das Schimmelthema fiel vermutlich nicht in den Zuständigkeitsbereich seiner Zunft.

/ttr: Auch in Ihre Richtung ein zünftiges Prost! (Aber Gin Tonic als das neue Bier? Was kommt als nächstes? Brennspiritus?) Mein Waschbecken ist undicht, weil mal versehentlich ein Wagenheber reingefallen ist, mit den Fliesen hat das nichts zu tun. Wie sollte ich auch auf die psychodelische Idee kommen, die Bodenfliesen selbst zu verlegen? Dafür bräuchte es härtere Biere als Brennspiritus.

/mkh: Prinzipiell ein hervorragender Vorschlag, nur leider stimmt das alles überhaupt nicht - und wer garantiert mir, dass ich anschließend nicht für die Hauptrolle in einem somalischen Bekennervideo (du bist nie allein auf weiter See mit deinem Schlauchboot!) verpflichtet werde und eine Lösegeldforderung von 100 Mrd. Euro am Hals habe?

/Burnster: Her mit dem Installateursgstanzl!

/MudShark: Eine Hebeanlage ist bestimmt in mehrfacher Hinsicht hilfreich, z.B. beim Bierkistentransport in die oberen Stockwerke. Das ist nämlich auch nur wenig meditativ.

/DanielSubreal: Kommt alle! Bringt Grog und Eishockeyschläger mit! Dann simulieren wir legendäre Begegnungen in der NHL, z.B Canadiens de Montréal - Boston Bruins etc.

/100 Goldfischli: Bei diesen Stundensätzen gehen die Trends in der Welt der Superreichen vermutlich hin zum Wohnungsprivatozean für Mega-Yachten.

28.10.09  
Blogger 100 Goldfischli said...

"... mein Waschbecken ist undicht, weil mal versehentlich ein Wagenheber reingefallen ist..."

Öcht? Von wo?

... jaa-aa, von oben, schon klar! Ich ziehe die Frage zurück und formuliere alternativ:

Wer in der Wohnung Autos repariert - und zwar über dem Waschbecken - kann doch gar nicht anders, als Fliesen selber zu verlegen zu versuchen. Das ist genetisch so angelegt.

Neue Flamme beim ersten Besuch:

"Aha, und das ist also deine Werkstatt..."

"Mein Bad."

"... dein Bad. Und ... wo hast du denn die Fliesen?"

"Hab ich verlegt."

29.10.09  
Blogger 100 Goldfischli said...

Das mit dem Auto ... äh: Wagenheber über dem Waschbecken hast Du aus einer Deiner Escher-Geschichten zitiert, oder?

29.10.09  
Blogger c.s. said...

Haben sie schon ein paar Palmen aufgestellt, die ein Hauch karibischer Stimmung verbreiten, dann fällt das warten nicht so schwer.
Die beste Methode schnell an einen Handwerker zu kommen ist übrigens eine attraktive Frau. Woher ich das weiß? Wir hatten mal ein Trupp Handwerker auf dem Dach, also zumindest waren sie so lange auf dem Dach bis eine attraktive junge Frau aus der Nachbarschaft auftauchte und fragte, ob einer der Herren so freudlich wäre, mal nach ihrem Fernseher zu sehen, kurze Zeit später war das Dach verlassen.

29.10.09  
Blogger mq said...

/100 Goldfischli: Mit profanen Dingen wie einem Wagenheber würde sich Escher, wie ich ihn kenne, kaum befassen.

/c.s.: Und ... haben Sie inzwischen eine attraktive Frau aufs Dach gestellt?

29.10.09  
Anonymous c.s. said...

Attraktive junge Frauen auf Dächer zu stellen verstößt gegen die Genfer Konventionen, hab ich mal gehört.
Außerdem waren die Handwerker wohl ganz froh, dass sie noch etwas zu tun hatten, als der attraktive junge Freund der attraktiven Jungen Frau nach Hause kam.

30.10.09  
Blogger mkh said...

/mq
Ab du BIST nie allein auf weiter See mit deinem Schlauchboot! Auch in der Küche nicht.

Wortbestätigung "logist"

30.10.09  
Blogger mq said...

/c.s.: Es klingt hart, aber wenn es darum geht, Handwerker in einen Arbeitshinterhalt zu locken, treten die Genfer Konventionen außer Kraft. Hier heiligt der Zweck die Mittel!

/mkh: Abdu Bist? Der Name eines somalischen Piratenkapitäns?

30.10.09  

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