Montag, Februar 05, 2007

< Tod >Leben< /Tod >

Seine Programmierer waren echte Engel, aber nachdem auch die Begabtesten unter ihnen den Fehler im Quelltext nicht finden konnten, befasste sich der Projektleiter persönlich mit dem Problem. Es kam ihm vor, als hätte er das kleine Programm erst vor kurzem geschrieben, und dabei gehörte es zu den ersten Unterhaltungsprodukten aus seinem Labor. Damals war es nur als Fingerübung gedacht, bevor er sich an größere Ideen wagen wollte.

Die Software erreichte am Markt keinen nennenswerten Bekanntheitsgrad und geriet auch innerhalb des Unternehmens schnell in Vergessenheit. Genau genommen hatte er ein einziges Exemplar als Betaversion in Umlauf gebracht. Qualitätsmanagement spielte zu jener Zeit noch eine untergeordnete Rolle, aber der Kunde schien zufrieden zu sein und erkundigte sich nie nach einer höheren Programmversion. Nun hatte die Revisionsabteilung im Rahmen einer Inventur Unregelmäßigkeiten festgestellt, denn die Software tauchte in keiner Abschreibung auf.

Dieses formale Problem war durch eine kreative Überarbeitung der Bücher zu korrigieren und interessierte ihn daher nicht sonderlich. Vielmehr konnte er nicht begreifen, wie sich der Fehler in das Programm eingeschlichen hatte. War er damals tatsächlich so nachlässig gewesen?

Während er vor dem Quellcode saß und über Lösungsmöglichkeiten brütete, erinnerte er sich wieder an den Kunden, der sich damals für das Produkt interessiert hatte. Es war ein Wesen mit zwei hornigen Ausstülpungen an den Schläfen, Pferdefüßen und einem unbehaarten Schweif. Beim Gedanken an die Erscheinung stieg ihm ein Geruch von Schwefel in die Nase. Dieser Geruch durchdrang ihn und setzte ein vollständiges Bild des Vorgangs in seiner Erinnerung frei. Er selbst hatte den Kunden programmiert, um seine erste Erschaffung einer Welt mit jemand teilen zu können.

Aus ähnlichen Gründen hatte er später alle weiteren Engel programmiert. Diese Programmroutinen hatten ihm so gut gefallen, dass er sie auch in andere Software implementierte. Immer, wenn ihm seine Einzigartigkeit und die daraus resultierende Einsamkeit in voller Größe bewusst wurde, schuf er ein neues Programm. Und irgendwann war sein erster Prototyp, den er damals unter dem Arbeitstitel Welt entwickelt hatte, in Vergessenheit geraten.

Er verspürte keine Empfindung, als er die Klammer um den letzten Formatierungsbefehl setzte und das System anschließend herunterfuhr. Aber noch war alles gespeichert.

19 Comments:

Blogger Falcon said...

Man sollte halt immer ein Backup haben - nur für den Fall, dass man vielleicht doch noch einmal den Quellcode überarbeiten möchte.
Und wer weiß - vielleicht gelingt die Version 2.0 sogar richtig gut.

5.2.07  
Blogger Markus Quint said...

Entweder
() Falcon hat es auf den Punkt getroffen und mir damit das Wort aus dem Mund genommen, oder
() ich liege nach dem Wochenende noch im Koma, oder
() der Text ist miserabel und
() außerdem schon wieder zu lang

Zutreffendes bitte ankreuzen oder andere Ausrede erschwindeln. (Klimaveränderung lasse ich nicht gelten, höchstens Klimakterium.)

Und auch diesmal gibt es wieder nichts (0,0) zu gewinnen. Wenn das kein Anreiz ist!

5.2.07  
Anonymous FrauH. said...

Ich möchte doch bitte an dieser Stelle ganz persönlich um dieBerücksichtigung der Merkfähigkeit im Alter in der Betaversion bitten.
Und die Reaktion der Gehirnzellen auf toxische Stoffe könnte auch überarbeitet werden.
Vom < Body > will ich erst gar nicht anfangen.
Es war im Großen und Ganzen ja ein ganz netter Versuch, ich würde ja auch gar nicht reklamieren, wenn Sie nicht davon angefangen hätten.
Und dass es immer wärmer wird? Ist doch schön.
Wer braucht schon Norddeutschland? Is' doch eh bald scheißenkalt hier....


>> Ihr Tag is not allowed: < Body >-Code kann nicht übernommen werden.

Sowas!

5.2.07  
Anonymous der texttourist said...

< heise troll>Mit einem EEPROM Speicherbaustein wäre das nicht passiert!!1einseins< /heise troll>

5.2.07  
Anonymous wort-wahl said...

< target="_blank" >
vielleicht könnte man ja einfach neu anfangen.

6.2.07  
Blogger MudShark said...

die tags scheinen mir auch dann sinn zu machen, wenn man den content damit vertauscht. so wie dein tausch der sichtweise auf gottunddiewelt. also:

<leben>tod</leben>

6.2.07  
Anonymous joppi said...

Ich liebe religiöse Texte! Die technische Komponente bringt eine kleine Spieluhr in mir zum klingen.

Disharmonisch - aber sie klingt und bereitwillig strecke ich die Kurbel jedem entgegen und zucke dann wie ein kleines Leierkastenäffchen

6.2.07  
Blogger Markus Quint said...

/FrauH.: Wenn man berücksichtigt, dass es sich um einen Prototypen handelt und ES damals noch Anfänger war, ist das Werk akzeptabel und die Bugs verzeihbar. Vielleicht hatte ES mit dem Standard-Code ein ähnliches Problem wie Sie, und ein paar wichtige Formatierungsbefehle wurden bei der Generierung nicht übernommen.

/Texttourist: Wir befinden uns in der Übergangsphase zu einem Zeitalter, in dem sich Software selbst programmieren wird. In einer anschließenden Phase wird Software den ursprünglichen Erzeuger programmieren. Oder tut sie das jetzt schon?

/Wort-Wahl: Das macht aber nur Sinn, wenn man das alte Fenster schließt.

/MudShark: Ist das nicht eher eine satanistische Formatierung?

/Joppi: Wollen wir die Spieluhr mal rückwärts abspielen?

7.2.07  
Anonymous eon said...

Ich wette, es läuft mittlerweile schon die 20. Version.

7.2.07  
Anonymous Opa said...

Ich werde mich in meine innere Wüste begeben und alles ignorieren. Das Leben, den Tod und alle Programme.

Netz drüber.

7.2.07  
Anonymous joppi said...

nechffänetsakreieL senielk nie eiw nnad ekcuz dnu ... - Harmonisch

7.2.07  
Anonymous texttourist said...

"Willkommen im achten Jahrzehnt des dritten Jahrtausends. Jetzt machen sich die Auswirkungen des Strukturwandels im Sonnensystem auch in kosmischem Maßstab bemerkbar.
Quer über das Sonnensystem verteilt gibt es rund elf Milliarden Primaten, die vom Zukunftsschock betroffen sind. Sie befinden sich in unterschiedlichen Stadien des Lebens und Nicht-Todes [...]Die Menschen sind zu geistig minderbemittelten Nutzern intelligenter Instrumente degradiert. Die vom Darwin nachgewiesene evolutionäre Selektion ist zum Stillstand gekommen, als Sprache und Werkzeuggebrauch konvergiert sind, sodass die Intelligenz bei den behaarten Beförderern von Memen in der Regel leider sehr zu wünschen übrig lässt."

Aus Accelerando von C. Stross, Seite 351, 352.

Ja, Herr Quint wir sind vielleicht wirklich live in der Singularität dabei und merken nix davon. Allgemeiner Verletzungsschutz....

Btw... unmöglich hier mit Opera zu kommentieren. Auch in posthumanem Zeitalter gibt es einiges zu verbessern.

7.2.07  
Anonymous Fusillikopf said...

wieso erscheinen meine kommentare hier nicht, vermaledeites hühnerfrikasse?!

8.2.07  
Blogger MudShark said...

grundformatierung, ja. eine wirklich satanische formatierung sähe im ansatz vielleicht so aus:

<leben style="use:evil;friend-type:scumbag;love:fake;morality:none">Tod</leben>

ich bin mir nicht ganz sicher welche formatierung satanischer ist. deine oder meine?

9.2.07  
Blogger Markus Quint said...

/Eon: ... irgendwo zwischen Beta und Omega.

/Opa: Wow. Gibt es außer Leben und Tod noch andere Programme?

/Joppi: 26-Ton-Musik, in fast jeder Komposition spannend.

/Texttourist: Interessant - ist bestellt. Das Opera-Problem kannte ich noch nicht, denn ich benutze Mozilla. Aber dafür kenne ich jede Menge andere Probleme mit dem neuen blogger.com ...

/Fusillikopf: Opera?

/Mudshark: Mit einem Hacker deines Formats würde ich mich niemals messen.

9.2.07  
Anonymous Opa said...

Ja, aber sie hängen alle damit zusammen wie das Über-Leben oder der Un-Tod und das Nichts.

10.2.07  
Blogger DanielSurreal said...

...einschicken...auf updates überprüfen... wenns dann immer noch nicht läuft, auf den Müll damit... neue Welt auf den Markt werfen... die hohen Reperaturkosten und die niedrigen Herstellungskosten... Nostalgie bitte nicht... ...es sei denn... es sei denn man hat sich emotional irgendwo aufgehangen... datenrettung... Expertenteam... Leben/Tod...ist diese Unterscheidung noch zu retten? Ist ihre Rettung zu rechtfertigen? Muss auch der Tod irgendwann mal sterben?...

10.2.07  
Blogger MudShark said...

@daniel
Muss auch der Tod irgendwann mal sterben?

diese frage muss unbedingt mit ja beantwortet werden. der tod stirbt, wenn die unendlichkeitsvariable überläuft und den speicherberich des gottmodus überschreibt.

11.2.07  
Blogger Scheibster said...

Und ich dachte immer Tod hätte ein Knochenross namens Binky. Hm.

Sehr netter Text - einmal mehr, muss man ja deutlich sagen. Regt die Hirnzellen an. Ich liebe Hirnzellentraining.

15.2.07  

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