Dienstag, August 08, 2006

Angst in Wäldern, Ansichtssache

Es gibt Wälder am Amazonas oder am Kongo, die man nicht völlig entspannt betreten sollte. Und sogar im Osten Indiens empfindet man zuweilen ein verstörendes Gefühl. Am Anblick eines Tigers aus gebührender Distanz mag sich der Spaziergänger vielleicht sogar erfreuen, nur ist das Schlangengetier nie recht geheuer.

Als mein eritreischer Gesinnungsgenosse Elias, auf der Flucht vor Arschkrampen blauen Bohnen aus der afrikanischen Nachbarschaft, 1985 eine Bleibe in meiner unterfränkischen Heimat fand, wollten wir ihn zwecks Völkerverständigung und Verzehr von Erfrischungen zu unserer favorisierten Feuerstelle im Wald zerren. Er weigerte sich beharrlich aus Angst vor wilden Tieren und riet darüber hinaus dringend von Waldspaziergängen und dem Schwimmen im Meer ab, da man sich durch diesen spektakulären Leichtsinn in große Gefahren begeben könne.

Das Meer war kein Problem, denn es war nicht zur Stelle. Der Rest wurde bei einigen Kaltschalen Hopfenblütentee diskutiert. Später hat Elias dann die Angst vor der unterfränkischen Wildnis weitgehend verloren, aber allein hätte er sich in keinen Forst getraut.












Elias mit Erfrischungsgetränk in gefahrloser Umgebung


An dieser Stelle fällt mir
Robert Müller und sein expressionistisch verschlüsseltes Meisterwerk Tropen ein.

17 Comments:

Blogger Scheibster said...

Dazu sage ich doch: Musterbeispiel für Integration. Es geht doch! Und womit? Mit der deutschen höchster Kunst, der Braukunst.

Völkerverständigung ahoi, und prost! :-)

8.8.06  
Anonymous stard said...

find ich gut. die sache mit der völkerverständigung. und die bezeichnung hopfenblütentee :)

8.8.06  
Anonymous c17h19no3 said...

forstophobie. ein fall für den blogpsychologen. ;)
und wir haben mal wieder was gelernt. robert müller kannte ich nicht, ebensowenig seine "tropen". schade, dass die guten leute immer zu selbstmördern werden.

8.8.06  
Anonymous martha said...

Tag. Ich bin's mal wieder. Leider konnte ich mit dem Begriff 'Arschkrampen' nichts anfangen und habe mal gegoogelt. Gefunden hab ich dann das hier:http://www.bei-gertrud.de/arschkrampen.html
Auf einer anderen Seite fand ich dann die Liste aller Lieder (?) die die beiden Herrn eingespielt hatten. Unter Anderem interessante Titel wie:
- Soll'n wir in den Puff?
- Pimmelfahrt
oder aber auch
- Videokassette im Arsch
Kein Wunder also das Ihr Freund das Weite gesucht hat. Was die beiden allerdings in der Afrikanischen Pampa verloren hatten, das verstehe ich leider noch nicht. Aber wie Sier sehen, habe ich meine Hausaufgaben gemacht.
Hiermit verbleibe ich mit freundlichen Grußen und den Fuß weiterhin auf dem Bildschirm,
M.

8.8.06  
Blogger Der_grosse_Transzendentale_Steini said...

Ich habe vor Jahren mal in Thailand ein japanisch-englisches Pärchen kennengelernt. Sie (die Japanerin) ist immer in Rettungsweste am Strand langgelatscht, wegen den Tsunamis. Damals hab ich mich noch köstlich darüber amüsiert...

8.8.06  
Anonymous Anonym said...

Elias erahnte sicher weitblickend, dass Bären, Wölfe und Luchse wieder auf dem Vormarsch sind!

Aber nein! - In Wahrheit wusste er natürlich, dass die wahren Gefahren nicht vom Großen, dem nur vermeintlich Gefährlichen, ausgehen, sondern vom Kleinen: Wald ist nunmal gefährlich!!! Zecken, Wespen, und die besonders lebensgefährlichen Würgefuchsbandwurmpythons erst!!!

Soviel ich höre, zeigen einige Umfragen und Studien, dass auch so manch ein Ureinwohner seinen deutschen Wald mit Gefahr für´s Leben und mit dem Grauen schlechthin verbindet!

Und falls aber nicht, dann ist es genau andersrum, und manch ein junger Stadtmensch glaubt, wir sollten den Wald am besten dadurch schützen, dass wir gar nicht mehr reingehen...

Kurz und gut: Alles Unsinn. Der Wald ist ein guter Freund der Seele. Probiert´s mal wieder!

8.8.06  
Blogger Markus Quint said...

@Scheibster: Contra Ausländerfeindlichkeit, aber pro Reinheitsgebot!

@Stard: Und so gesund!

@c17h19no3: Bitte nie dem schlechten Beispiel der anderen guten Leute folgen.

@Martha: Für sorgfältige Erledigung der Hausaufgaben kriengse erstmal fünf Sternchen ins Heft geklebt: *****
Was diese merkwürdigen, mir bis dato unbekannten Menschen in Afrika verloren hatten, weiß ich auch nicht. Aber es wäre immerhin eine plausible Erklärung für den Bürgerkrieg. Und eine Videokassette im Arsch stelle ich mir
a) unrealistisch
b) schmerzhaft vor.
Unter Arschkrampen verstand ich bislang blaue Bohnen - und damit meine ich nicht den Titel eines Italowestern mit T. Hill.
Langsam gewöhne ich mich an den Fuß.

@Steini: Hier in FFM latschen die immer mit Mundschutz rum, wegen der schlechten Luft. Noch amüsiere ich mich köstlich darüber ...

@MKH: Meine Rede. Nur sollten wir die Gefahr der berüchtigten Würgefuchsbandwurmpythons nicht unterschätzen. Dagegen sind die Gefahren Afrikas der reinste Kinderkram.

8.8.06  
Anonymous eon said...

Ich bin ja auch eher ein Naturphobiker. Schön ist sie ja, die Natur. Aber steck mal außerhalb der Ost-/Nordsee die Füße ins Meer! Oder geh mal eben in Südamerika ins Gebüsch (warum auch immer)!
Ich kann die Furcht durchaus nachempfinden. Wenn die erstmal sitzt ist sie schwer wieder fort zu bekommen.

8.8.06  
Blogger Markus Quint said...

Das war eine exakte Beschreibung der Gründe für die Erfindung von Toilettenduftsprays mit Naturaroma. Es gibt zwar noch andere Gründe, aber die gehören hier nicht her.

8.8.06  
Blogger Scheibster said...

Ja, Mutter Natur... Ich sage ja auch immer, bei der Arbeit aus dem Fenster schauend:

"Schön, der Taunus. Wenn nur die ganzen Berge nicht wären."

8.8.06  
Anonymous wort-wahl said...

ich persönlich trinke mir auch immer erst mut an, bevor ich einen fuß in einen dunklen wald setze: wenn ich laut genug lalle, greift mich auch nichts an.

8.8.06  
Blogger Markus Quint said...

@Scheibster: Ford Taunus GT - eine Legende, vor allem in der Ebene.
@Wort-Wahl: Sich einen hinter die Lampe zu gießen, bringt zwar kein Licht in die Sache oder in den dunklen Wald, aber das mit dem Lallen leuchtet ein. (Wenn auch nicht den Weg.)

8.8.06  
Anonymous martha said...

Och den Weg kann es schon anzeigen. Immer dem Erbrochenen hnterher.

8.8.06  
Blogger Markus Quint said...

Wenn es schon so arg ist, dass einem das eigene Erbrochene den Weg weist, kann man auch gleich im Wald übernachten.

8.8.06  
Blogger MudShark said...

wieso angst im wald?

seit mir klar ist, dass ich (d.h. 'der mensch') das grösste ungeheuer im wald bin ist das kein problem mehr.

beim meer ist's genauso. aber irgendwie anders ... ach ja, weil ich unter wasser nicht ohne hilfe atmen kann.

9.8.06  
Blogger Markus Quint said...

Trotz der Kiemen?

10.8.06  
Blogger MudShark said...

ah, die kiemen. ich vergesse die dinger immer zuhause im kleiderschrank bei den sportsachen. blöd.

14.8.06  

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