Sonntag, Mai 21, 2006

Knisterkassetten

Nichts gegen klassische Musik, aber bis heute kann ich Leute nicht verstehen, die zu einem Sonntagsfrühstück gerne aromatisierten Tee trinken und Klassik im Hintergrund plätschern lassen. Ich trinke zu einem Sonntagsfrühstück am liebsten Bier und höre Motörhead.

Meine persönliche Biographie als Freund des hart gekochten Rock 'n' Roll begann 1979 mit einer Hörkassette von AC/DC, die mir mein Klassenkamerad Norbert ausgeliehen hatte. Dafür bin ich ihm bis heute dankbar. Norbert war der erste Mensch in meinem Umfeld, der eine an den Ärmeln abgeschnittene Jeansjacke mit Killernieten auf den Schultern und Heavy Metal Stickern auf dem Rücken trug.

Ich besaß einen rudimentär ausgestatteten Kassettenrekorder ohne Überspielkabel. Musik wurde aufgenommen, indem ich mir von einem Freund ein zweites Abspielgerät auslieh, den Aufnahmeknopf des anderen Geräts drückte und auf Zehenspitzen den Raum verließ, um keine Nebengeräusche während der Aufnahme zu hinterlassen. Dennoch knisterten die Aufnahmen und während der Songs waren trotz geschlossener Fenster immer Fahrgeräusche von Autos oder frisierten Mopeds zu hören. Oder Protestrufe meines Bruders, der für die Zeit der Aufnahmen des gemeinsamen Zimmers in der kleinen Dachwohnung verwiesen wurde.

Meine erste unzerknisterte Kaufkassette mit angeblicher Stereo-Dolby-Qualität war von Kiss. Damals regte sich noch jeder über den Schriftzug auf, weil er in seiner Gestaltung den SS-Runen nachempfunden war. Sowas würde heute keine Sau mehr interessieren.

SaxonDas erste T-Shirt mit Bandaufdruck, das ich bei einem fliegenden Händler in der Fußgängerzone von Bad Mergentheim für elf Mark produzieren ließ, zeigte auf der Vorderseite Eddy the beast, das Maskottchen von Iron Maiden. Auf der Rückseite waren das Logo von Saxon und ein glitzernder Totenkopf mit gekreuzten Knochen zu sehen. Das T-Shirt gibt es heute noch. Es befindet sich in Bill Kinderhirns historischem Museum of Heavy Metal.
--
>> Schwermetall im Blut

2 Comments:

Blogger Tillmister said...

Das Museumsstück wird auch noch getragen. So war es Ausstattung für ein Theaterstück der Universitätstheatergruppe in Karlsruhe und zuletzt Bühnengarderobe meinerselbst bei Bad Glam Konzerten. Up the Irons!

21.5.06  
Blogger Tybalt said...

Naja, eigentlich bin ich heute ganz froh darüber, dass mein Bruder mir auf diese Weise frühzeitig den Horizont zur Musik der härteren Gangart geöffnet hat.
Wenngleich ich von AC/DC bis heute traumatisiert bin...

26.5.06  

Kommentar veröffentlichen

<< Home