Mittwoch, Mai 17, 2006

Überflüssige Todesarten (II)

Während meines Zivildienstes als Sanitäter beim Roten Kreuz erlebte ich einige unappetitliche Todesfälle. Seit dieser Zeit steht für mich fest, dass Suizid keine adäquate Verabschiedung aus dem Dasein ist.

Stets betrifft ein sogenannter Freitod verschiedene Menschen - und wenn es nur Dienstleister sind, deren Job darin besteht, die unästhetische Sauerei aufzuräumen.

Während einer Nachtschicht wurden wir auf einen Aussiedlerhof gerufen: "Der Opa hat sich erhängt!" Als wir mit dem Rettungswagen angerast kamen, standen der Bauer und die Bäuerin mit abgestumpften Gesichtern in der Hofeinfahrt. Der Bauer roch nach Schnaps. Er hatte eine Taschenlampe in der Hand und brachte uns mit behäbigem Gang auf den Dachboden der Scheune. Von dort führte eine Holztreppe auf einen weiteren, etwa drei Meter höher gelegenen Dachboden. Ein alter, schwerleibiger Mann hing mit einer Schlinge um den Hals und eingeknicktem Kopf zur Hälfte in der Luft. Die untere Hälfte seines Körpers lag mit den Füßen nach oben auf der Treppe. Als wir ihn losschnitten und auf den Dachboden legten, betrachtete ich sein Gesicht, aus dem eine blaue Zunge quoll. Dabei fiel mir ein kaum wahrnehmbares, rotes Loch in der Mitte seiner Stirn auf, aus dem ein Tropfen Blut gesickert war.

Ich wies meinen Kollegen darauf hin, aber wir konnten es uns nicht erklären. Der Kollege ging dem Notarzt entgegen, der inzwischen eingetroffen war und nur noch den Tod festzustellen hatte. Währenddessen stieg ich die Treppe zum zweiten Dachboden
hinauf und entdeckte dort ein Gewehr auf den Holzdielen, direkt neben der Treppe.

Von einem Polizisten erfuhren wir später die Rekonstruktion dieses Freitods. Der alte Mann hatte
einen Nagel in den Stützbalken neben der Treppe horizontal eingeschlagen und das Sturmgewehr vom Typ Mauser K98k am Abzug daran eingehängt. Dann hat er sich den Lauf des geladenen Gewehrs an die Stirn gehalten und das Gewehr zu sich gezogen, so dass der Abzug ausgelöst wurde. Auf diese Weise schoss er sich mit dem Karabiner in den Kopf und da er mit dem Rücken zur Treppe stand, fiel er in das Seil, das er sich zuvor um den Hals geknüpft hatte. Für mich unerklärlich bleibt allerdings die hervorquellende blaue Zunge, die auf einen Erstickungstod hinweist. Aber dazu müsste man einen Pathologen befragen.
--
>> Nazischrott

1 Comments:

Blogger cruncher said...

Die Verengung der Luftroehre durch den Strick, in Kombination mit dem Gewicht, das den Koerper nach unten zog blockierte den Rueckfluss von venoesem Blut ( aehnlich wie beim Penis ). Der Schuss durch das Hirn hat die vegetativen Reflexe nicht sofort beendet, rudimentaere Atemzuege haben noch, wenn auch fuer kurze Zeit stattgefunden, mehr oder weniger ein Kontrahieren des Zwerchfells ), wahrscheinlich hat das Herz noch fuer eine Minute oder so geschlagen, das ist halt was das Herz so macht, und einen geringen Teil an arteriellem Blut in die Region oberhalb der Carotiden befoerdert. Die Zuenge hatte ein klassiches Oedem, aehnlich, wie beim Penis, bei dem mann die Vorhaut nicht zurueckzieht, sondern hinter der Eichel aufrollt...wahrscheinlich haben die Beine noch ne Weile gezuckt, wie beim Stoertebecker, das hat auch nochmal geschwind den Lactat Spiegel im Blut erhoeht, die Proteine haben sofort bei Einsetzung der Verwesung zum Anschwellen der Zunge beigtragen....sorry mate, thats the way it goes, its never easy....

22.5.06  

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