Donnerstag, Februar 02, 2012

Sehr geehrte Gedanken,

auch wenn ich nicht weiß, woher ihr kommt und wohin ihr wollt, heiße ich euch als Gäste in meinem Kopf willkommen. Zum einen bleiben mir sowieso kaum andere Möglichkeiten, zum anderen wäre ein Leben ohne euch unvorstellbar. Das denke ich zumindest, übrigens ausschließlich mit eurer Unterstützung.

Denke ich euch oder denkt ihr mich? Seid ihr ich, oder bin ich nur ein kleiner Teil von euch? Manchmal erscheint ihr mir so fremd, dass ich euch nicht als Teil von mir betrachte. Ihr scheint euch ständig selbst zu erschaffen und seid doch nur ein Ergebnis von organischen Prozessen. Wenn es mich nicht mehr gibt, findet auch ihr ein Ende.

Einige von euch sind mit schwindelerregendem Tempo unterwegs, so dass ich sie auf ihrer Durchreise nur andeutungsweise oder verschwommen wahrnehme. Andere nisten sich als Untermieter wohnlich bei mir ein. Manche benehmen sich völlig daneben, besitzen keine Umgangsformen, sind laut, ordinär, pöbeln und stinken. In den seltensten Fällen führt eine Räumungsklage zum Ziel. Ich akzeptiere die Kopfbesetzer, wie sie kommen und irgendwann auch wieder gehen.

Und manche von euch vermisse ich, schon bevor sie sich verabschieden. Beim Versuch, sie festzuhalten, bin ich auf unzulängliche Sprachen angewiesen. Auf dem Weg vom Kopf in den Mund oder die Hand verändern sie sich. Sie erlauben meiner Sprache nur, was ihnen gefällt. Wenn ich sie dann mit anderen Köpfen teile, pflanzen sie sich darin fort oder verrotten im Kompost der Gedanken.

Am liebsten schreibe ich sie mit einer Möwenfeder in den Sand einsamer Strände, kurz bevor die Flut kommt.

Mit (ge)dankenden Grüßen,
mq

6 Comments:

Anonymous Phil said...

Ah ja, sowas wie Being John Malkovich :-)

2.2.12  
Anonymous Frau H. said...

Was bleibt ist: SEIN. In Gedanken. Ohne Gedanken.
Einfach immer wieder und wieder...SEIN...
Seems very easy ;)
(Haha...)

Aber Sie beschreiben es in der Abstraktion (wenn auch unvollständig) sehr schön, werter Sir MQ!

Best!

(Und die Wortbestätigung sagt: inkingo...)

3.2.12  
Blogger MudShark said...

marq, was geht? das alles kommt mir verdächtig romatisch vor. jetzt bloß nicht in einen fettnapf latschen ... und ab.

3.2.12  
Blogger mq said...

/Phil: So ähnlich. Nur ohne Being, John und Malkovich.

/Frau H.: Das Sein bleibt leider nicht. Billionenfach erwiesen. Ich will Sie allerdings keiner Illusion berauben, beste Frau H. Vielleicht bleibt es doch.

/MudShark: Dass du bei Stichworten wie ordinär, pöbeln, stinken und verrotten sofort an Romantik denkst, ist sowieso klar, Alter.

3.2.12  
Anonymous Frau H, said...

Stellt sich die Frage: Was SIND wir, bzw. WAS ist unser SEIN? Und dann stellt sich die Frage, ob das nicht doch irgendwie immer bleibt? ;)

Asche zu Asche...Staub zu Staub...so auf energetischer Ebene...

4.2.12  
Blogger mkh said...

Treffende, poetische Analyse.

8.2.12  

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